Von der Frage „Zwei Welten, ein Ziel?“ bis zum „Umweltbewusstsein im Kindergartenalter“: Sonderpreise für Forschungsarbeiten mit geographischen Bezüge
Auch in diesem Jahr lautete das Motto des BundesUmweltWettbewerbs wieder „Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln“. Nach der Einreichung der Arbeiten findet eine erste Begutachtung durch die Jurymitglieder statt. Die besten Projekte dürfen dann im Juni bei der alljährlichen Jurytagung präsentiert und mit den Jurymitgliedern vertieft diskutiert werden. Zum Abschluss legen dann alle Jurymitglieder gemeinsam die Preiskategorien für die einzelnen Wettbewerbsbeiträge fest. Das Bundesfinale der 36. Wettbewerbsrunde des BundesUmweltWettbewerbs (BUW) fand in diesem Jahr im Klimahaus in Bremerhaven statt.
Ziel des Wettbewerbs ist es, Jungforschende und junge Talente im Umweltbereich besonders zu ermuntern und zu fördern. Hauptpreise erhalten Arbeiten, die von der Jury als hervorragend bewertet wurden; dabei haben sowohl Kreativität als auch interdisziplinäre Arbeitsweise und ökologische Handlungsorientierung einen hohen Stellenwert. Sonderpreise erhalten Projekte, die sich u.a. durch eine besondere Leistung in einem Teilbereich bzw. einer Fachdisziplin ausgezeichnet haben. Förderpreise dienen der Projektfortführung und sollen zur nochmaligen Teilnahme an der nächsten BUW-Runde ermutigen. Wissenschaftliche Arbeitsweisen, schlüssige und nachhaltige Denkansätze sowie lösungsorientiertes Handeln sind nur einige typische Merkmale guter BUW-Projekte. In der diesjährigen Wettbewerbsrunde wurden insgesamt 371 Projektarbeiten von 762 jungen und engagierten Leuten im Alter zwischen zehn und zwanzig Jahren eingereicht. Einige der zentralen Themen der eingereichten Projekte waren insbesondere die Bereiche Bildung und nachhaltige Erziehung, klimaschutzorientierte Lerneinheiten, innovative Ideen zur Nutzung regenerativer Energien und zur nachhaltigen Stadtentwicklung, Einsparung natürlicher Ressourcen sowie die Orientierung an globalen Nachhaltigkeitszielen.
In seiner Eröffnungansprache lobte der Geschäftsführer des BundesUmweltWettbewerbs, Dr. Marc Eckhardt, die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten. Die Begrüßungsworte zum Festakt sprach Prof. Dr. Hauke Hilz (Dezernent für Schule und Kultur sowie Magistrat der Stadt Bremerhaven). Den Festvortrag hielt Dr. Susanne Nawrath (Klimahaus Bremerhaven).
Sonderpreis des Verbands Deutscher Schulgeographie e.V. (VDSG)
Der Sonderpreis des Verbands Deutscher Schulgeographie e.V. (VDSG) für eine bemerkenswerte Leistung, die aus dem Geographieunterricht erwachsen ist, ging an das Projekt „Zwei Welten, ein Ziel?“ Steven Jaron Leine, Clemens Pfeil, Lucian Schulz und Alice Sinde (Burger-Roland-Gymnasium, Burg/Sachsen-Anhalt) gingen dabei der Leitfrage nach „Ist Bildung der Grundstein für nachhaltige Entwicklung und globale Partnerschaften?“

Sie beleuchteten die seit 2019 bestehende Schulpartnerschaft mit der „Karao Adventist Pre- and Primary School“ in Tansania, die für Kinder der indigenen Volksgruppe der Massai gegründet wurde. Ihr Ziel war es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umweltbewusstsein sowie im nachhaltigen Handeln der Schüler/innen beider Schulen zu untersuchen. Die mit der Partnerschaft verbundenen Aktivitäten analysierte die Gruppe u.a. im Hinblick auf Ressourcennutzung, Konsumverhalten und Klimaschutz und insbesondere, wie Jugendliche in den beiden unterschiedlichen Teilen der Welt Nachhaltigkeit wahrnehmen und in ihrem Alltag umsetzen. Fazit ihres Projekts ist, dass beide Seiten viel voneinander lernen können. Die Begegnungen vor Ort sensibilisieren zudem Schüler/innen sowie die Lehrkräfte besonders tiefgründig für globale Zusammenhänge und das Leben in der „Einen Welt“. Mit ihren Ergebnissen zeigen die Jungforschenden, wie eine globale Partnerschaft funktionieren und wie diese positive und nachhaltige Veränderungen auf beiden Seiten bewirken kann.
Leider wies keiner der beiden vergebenen Hauptpreise geographische Bezüge auf. Dafür gab es jedoch eine stattliche Anzahl von Sonderpreisen, die dieses Kriterium erfüllten.
Sonderpreise im BUW I für ausgezeichnete Arbeiten mit geographischen Bezügen
Ein Sonderpreis im BUW I wurde vergeben an die Arbeit „Renaturierung von Flüssen im urbanen Raum am Beispiel der Regnitz in Bamberg“ von Ludwig Weiß (Dientzenhofer-Gymnasium Bamberg).

Der Gymnasiast untersuchte den Wirkungsgrad von drei verschiedenen bereits umgesetzten Renaturierungsmaßnahmen, indem er diese mit einem nicht renaturierten Flussabschnitt verglich und dabei den ökologischen Zustand des Gewässers durch die Erhebung chemisch-physikalischer und geomorphologischer Parameter bewertete. Er möchte konkrete Renaturierungsmaßnahmen ermitteln, die sich gut dazu eignen, denaturierte Gewässerstrukturen ökologisch zu optimieren, um die Wasserqualität nachhaltig zu verbessern. Mit Hilfe eines selbst gebauten, maßstabsgetreuen und wassergefüllten Modells der Regnitz im Maßstab 1:100 veranschaulicht er die Verträglichkeit der Renaturierungsmaßnahmen hinsichtlich Hochwasserschutz sowie der Nutzung des Flusses für z.B. Sport und Schifffahrt. Seine Ergebnisse hat der Schüler bereits in einer Form aufbereitet, so dass diese eine Grundlage zur weiteren Planung von Renaturierungsmaßnahmen durch beispielsweise Fachbehörden bieten kann.
Ein weiterer Sonderpreis im BUW I wurde vergeben an die Arbeit „Save The Seas“ von Kai Czwak, Friedo Platzek, Arne Preuß und zwei weiteren Jungforschern (Burg-Gymnasium Wettin, Wettin-Löbejün/Sachsen-Anhalt).

Sie haben sich zum Ziel gesetzt, durch ein selbst entwickeltes Videospiel auf Gewässerverunreinigung, Verschmutzung durch Plastik und Meeresschutz aufmerksam zu machen. Dabei steuert der Spieler/die Spielerin ein U-Boot, mit dem Müll aus einem verschmutzten Gewässer gesammelt wird. Dieser wird dann recycelt. Das Unterwassergefährt kann im Zuge des Spiels weiter optimiert werden. Ein Wasserqualitätswert reagiert auf den Spielfortschritt: Mit weniger Müll und daraus resultierend mehr angesiedelten Pflanzen erhöht sich die Wasserqualität, bis schließlich weitere Organismen wie Fische in das Gewässer zurückkehren können. So erleben die Spielenden ökologische Zusammenhänge direkt, anstatt sie nur als bloße Fakten zu lesen. Die gesamte Handlung des Spiels orientiert sich an den globalen Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals).
Einen Sonderpreis im BUW I erhielt ebenso das Projekt „Moore als CO2-Speicher – warum sie nass sein müssen!“ von Ella Marie Spanier (Schülerforschungszentrum Südwürttemberg, Tuttlingen/Baden-Württemberg).

Im Zentrum dieser Arbeit steht ein Vergleich von zwei Moorproben, die sich hinsichtlich ihrer Wassersättigung unterscheiden, um Auswirkungen auf die Emission von Kohlenstoffdioxid zu untersuchen. Die Schülerin entwickelte ein eigenes CO2-Messsystem auf Arduino-Basis, um die Freisetzung des Treibhausgases über mehrere Wochen zu detektieren. Mit ihren Ergebnissen kann sie zeigen, welche Bedeutung die Wassersättigung von Mooren für die CO2-Freisetzung hat: Entwässerte Moore verlieren ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher und können zu erheblichen CO2-Quellen werden, während ein nasses Moor mit einem hohen Wasserstand wesentlich geringere Mengen an CO2 freisetzt. Dieses Projekt kann nachhaltig zum Verständnis von klimarelevanten Themen und zum Schutz von Mooren beitragen.
Ebenfalls mit einem Sonderpreis im BUW I ausgezeichnet wurde die Arbeit „Zu viel Müll – zu wenig Erde“. Jeder Mensch in Deutschland verursacht jährlich Siedlungsabfall mit einer Masse von ca. 650 Kilogramm. Lena Baumann, Naila Finken, Jana Gravbow und Lucy Müller (Kopernikus-Gymnasium, Ratingen-Lintorf/Nordrhein-Westfalen)

sind davon überzeugt, dass jeder Mensch selbst aktiv werden kann, um zu einer Lösung der aus den großen Abfallmengen resultierenden Probleme beizutragen. Dazu leistete die Projektgruppe im Rahmen eines Naturwissenschaftskurses an ihrer Schule Aufklärungsarbeit, indem sie für die fünfte Jahrgangsstufe eine themenbezogene, methodisch vielfältige und zielgruppengerechte Unterrichtseinheit plante und durchführte. Das in der Unterrichtseinheit Gelernte wurde mit der fünften Jahrgangsstufe direkt umgesetzt und praktisch angewendet, indem der Schulhof in einer gemeinsamen Aktion von Abfall befreit wurde.
Sonderpreise im BUW II für ausgezeichnete Arbeiten mit geographischen Bezügen
Einen Sonderpreis im BUW II (16- bis 20-Jährige) erhielt Lena Brandl (Staatliche Fachoberschule Regen) für ihre Arbeit „Umweltbewusstsein im Kindergartenalter: Wie Kinder lernen, Verantwortung für Natur und Umwelt zu übernehmen“.

Um theoretische Ansätze zu verantwortungsvollem und nachhaltigem Handeln bereits sehr jungen Menschen praktisch zu vermitteln, entwickelte die Jungforscherin eine klimaschutzorientierte Lehr- und Lerneinheit für Kinder im Vorschulalter zum Thema Abfalltrennung, die sie mit Kindern in einem Kindergarten durchführte. Ihr Ziel ist es, den Kindern nicht nur die richtige Abfallzuordnung zu vermitteln, sondern ihnen die Bedeutung ihres Handelns auch durch ein aktives Erleben verständlich zu machen. In der von ihr entwickelten Bildungseinheit wird ein Recyclingprozess anschaulich und der Zielgruppe entsprechend dargestellt. Ferner können die Kinder durch Sortierübungen mit realen Beispielmaterialienselbst praktisch handeln und lernen, wie nachhaltige Verantwortung übernommen werden kann. Mit ihren Ergebnissen zeigt die Jungforscherin, dass die Kinder in ihren themenspezifischen Handlungen zunehmend sicherer werden, ihre Entscheidungen begründen können und auch auf nachhaltiger Entwicklung basierende Routinen entwickeln.
Ein weiterer Sonderpreis im BUW II ging für die Arbeit „Wenn Wasser Geschichte erzählt“ an das Gymnasium Wernigerode (Sachsen-Anhalt). Anni Katterbe und Justin Nötzel

untersuchten die Wasserqualität von Mundlöchern des ehemaligen Erzbergwerks Büchenberg im Harz mit Hilfe des Organismus Daphnia magna als Bioindikator. Diese Wasserflohart haben sie für ihr Projekt gezüchtet, um mit ihrer Aktivität die Wasserqualität von Abläufen aus inaktiven Stollensystemen abzuleiten. Die Wasserflöhe sollen als eine Art Frühwarnsystem fungieren, indem die Jungforschenden einen definierten Bestand an Daphnien in das Gewässer einbringen und beobachten, ob diese weiterhin aktiv sind. Unter Berücksichtigung weiterer Parameter der Wasserqualitätsbestimmung (z.B. ph-Wert, Wassertemperatur) wollen die beiden Jungforschenden mögliche Maßnahmen zur Reinhaltung von Abläufen aus inaktiven Stollensystemen ableiten. Das stillgelegte Bergwerk Büchenberg hat noch heute einen messbaren Einflusss auf die Wasserqualität (Abnahme der Daphnienpopulation). Mit ihrer Arbeit belegte das Team, dass das Grubenwasser noch heute eine ökologische Belastung darstellt.
Förderpreise mit geographischem Bezug im BUW I
- „Die Schutter – ein Fluss unserer Heimat in Not!“, Benedikt Siewert und Sebastian Siewert, Katharinen-Gymnasium, Ingolstadt / Bayern.
- „Blau-Grüne Infrastruktur in Leipzig. Modellierung eines eigenen Quartiers“, Emil Berkner, Goethe-Gymnasium, Leipzig / Sachsen.
- „ClimataeQuest – Entwicklung und Veröffentlichung einer App zur Förderung nachhaltigen Handelns“, Ludwig Weiß, Paul Hudelmaier, Gymnasium München Feldmoching, Feldmoching / Bayern.
Förderpreis mit geographischem Bezug im BUW II
- „Klima-Kompass Kids \ Spielerisch zum nachhaltigen Alltag“, Laurenz Hegemann und Aaron Kolz, Nikolaus-von-Kues-Gymnasium, Bernkastel-Kues / Rheinland-Pfalz.
- „HeatShift – Vom globalen Trend zum lokalen Effekt: Klimawandel in Deutschland von 1901 bis 2025, Jonathan Gemmel und Leona Felicitas Gemmel, Felix-Hausdorff-Gymnasium, Bonn / Nordrhein-Westfalen.
Alle Preisträger/innen auf einen Blick:

Alle Bilder in diesem Beitrag: Quelle: BUW
Das Anmeldeportal zur nächsten Wettbewerbsrunde ist bereits geöffnet
Die Teilnahme am BundesUmweltWettbewerb ist möglich für Schüler/innen im Alter von 10 – 20 Jahren aller allgemein- und berufsbildenden Schulen, Jugendgruppen sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Freiwilligendiensten wie dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und dem Bundesfreiwilligendienst (BFD). Die Organisation des Wettbewerbs erfolgt vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) an der Universität Kiel. Der Träger des Wettbewerbs ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Wettbewerbsrunde 2026/27 hat bereits begonnen. Einsendeschluss für die frei wählbaren Themen ist der 15. März 2027; die Anmeldung sollte sobald wie möglich erfolgen. Projektbeispiele, Anmeldungsformulare und der Leitfaden des Wettbewerbs mit detaillierten Informationen sind erhältlich unter: BUW-Bundesgeschäftsstelle, BundesUmweltWettbewerb, IPN, Olshausenstr. 62, 24118 Kiel; Tel. 0431/880-1610; Mail buw@leibniz-ipn.de; Homepage: www.buw-home.de
Volker Huntemann